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geschrieben von rg   27. Juli 2011

Die S-Bahn von der Ostsee

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Beschreibung

Mitte der 30er Jahre wurde der nördliche Teil der Ostseeinsel Usedom zum militärischem Sperrgebiet. Unter strenger Geheimhaltung entwickelten hier die Nazis auf einem riesigen Areal „ferngelenkte raketengetriebene Sprengkörper”, die später unter dem Namen „V2” bekannt wurden. Aufbau und Betrieb der Anlagen brachte tausende Bauarbeiten, soöter auch  Fremd- und Zwangsarbeiter nach Peenemünde. Die zunächst mit Dieselloks betriebene Werkbahn reichte für den enormen Beförderungsbedarf schnell nicht mehr aus, eine elektrische Lösung sollte gefunden werden.

Auf der Suche nach dem geeigneten Betriebssystem, entschied man sich für die Berliner S-Bahn als Vorbild. Fortan duplizierte man viele betriebliche Einrichtungen, wie Stellwerke, Wagenhallen und Unterwerke auf der Ostseeinsel. Die benötigten Fahrzeuge zweigte man aus der für Berlin vorgesehenen Lieferung der Fahrzeuge der Baureihe 167 ab. So wurden insgesamt 15 Viertelzüge bestehend aus Trieb- und Steuerwagen bestellt und zunächst in Berlin-Schöneweide elektrisch ausgerüstet.  Diese Züge stimmten bis auf die elektrischen Anlagen für den Oberleitungsbetrieb weitgehend mit denen der Berliner  S-Bahn überein. Ende 1942 erreichten die ersten Triebzüge die Insel Usedom, wo sie in dichter Zugfolge täglich bis zu 25.000 Fahrgäste beförderten.Durch Luftangriffe auf Peenemünde 1943 gingen einige Wagen verloren. Über den Verbleib der Züge nach dem zweiten Weltkrieg gibt es einige Unstimmigkeiten. Drei Triebzüge wurden in Erfurt aufgefunden, von wo sie  1946 als Reparationsgut in die Sowjetunion gelangten. Dort hatte man wegen der abweichenden Fahrspannung keine Verwendung für die Wagen, sodass sie 1952 nach Berlin abgegeben wurden und hier für den Betrieb aus Berliner S-Bahn umgerüstet wurden. Ein weiterer Triebzug würde bei München aufgefunden und hier bis in die 70er Jahre bei der Isartalbahn eingesetzt. In Berlin verkehrten die ehemaligen Peenemünder Werkbahnwagen nach den nötigen elektrischen Umbauten im optisch ungewöhnlichen Verband mit Zügen der Bauart Stadtbahn. Es fehlte an Teilen für die Angleichung an die Baureihe 167. Nach der Modernisierung zur Baureihe 277mod in den 70er Jahren konnten sie jedoch entsprechend kombiniert werden und boten für die S-Bahn wegen ihrer Eigenart als Steuerviertelzug noch bis 2003 wertvolle betriebliche Vorteile.

Der Vereinseigene 267 069/070 (ex. Trw/Stw 08) wurde nicht modernisiert, befindet sich im Innenraum im Zustand der 60er Jahre. Nach seiner Ausmusterung 1991 wurde er als eines des ersten Fahrzeuge vom Verein Historische S-Bahn übernommen. Als einziges Fahrzeug in der Sammlung, zeigt sich der Peenemünder im ungewöhnlichen „Hauptstadtlack“ der späten 80er Jahre. Zum Tag der offenen Tore 2008 wurde der Viertelzug grundlegend instand gesetzt und wird betriebsfähig erhalten.

Technische Daten
BauartPeenemünde
Baujahr1942
Einsatzzeit1942-1991
Antriebsleistung4 Motoren je 90 kW (ursprünglich 4x 100 kW???)
Höchstgeschwindigkeit80 km/h
Wagenlänge (über Kupplung) 
Wagenbreite3.150 mm
Sitzplätze???
Zustanderhalten im Zustand des letzten Betriebsjahres 1991, betriebsfähig aber nicht zugelassen
 
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